Oskar Maria Graf
Lesungen mit Musik von Monika Manz und Susanne Weinhöppel.
Die Münchner Schauspielerin Monika Manz lässt Grafs Texte herausragend lebendig werden. Mal ist sie beinahe unbeteiligte, leicht-süffisante Erzählerin. Dann bellt sie bayerische Beleidigungen, schluchzt in bitteren Träumen, kreischt vor Entrüstung oder lässt ihr Lachen scheppernd durch den Saal hallen, nur um die schmerzverzerrte Fratze, das glücksbesoffene Wirtshausgesicht mit einem Streich vom Gesicht zu wischen und wieder nur zu erzählen.

Die Musikerin Susanne Weinhöppel spielt mit ihrer Harfe und ihrer Stimme den boshaften Engel, der untermalt, forterzählt und kommentiert. Mozärtlich und bacchantisch streicht und zupft sie die Saiten und chansoniert, schnulzt und schmeichelt sich ins Gehör (tz München).

Die Programme

Erotisches vom Oskar
Spitzbübisch, urwüchsig und frivol sind Oskar Maria Grafs Geschichten aus seinem „Bayerischen Decamerone“. Darin entwirft er unverkünstelt und unverstellt ein Sittengemälde des einfachen Landvolks. Er beschreibt schamlose Weiberleut und Ehemänner mit Geweih auf dem Kopf, derbe Mägde und hinterfotzige Knechte. Kleinbürgerliche, städtische Lebensverhältnisse spiegeln sich dagegen im Roman "Anton Sittinger". Graf erzählt von den letzten Zuckungen erotischer Sehnsüchte einer Postinspektors-Ehefrau in der Zeit des Untergangs der Münchner Räterepublik. Den Frauen der München Bohème soll Graf übrigens gern zugerufen haben "Mehr Erotik bitte!".

Politisches vom Oskar
Mit dem Roman „Wir sind Gefangene“ gelang Oskar Maria Graf 1927 der Durchbruch. Schonungslos offen schildert Graf darin seine Erlebnisse zwischen den Jahren von 1905 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Im Ersten Weltkrieg nimmt er bewusst nach einer Befehlsverweigerung die Einweisung in eine Irrenanstalt auf sich, um nicht weiter töten zu müssen.

Privates vom Oskar
Seiner Mutter hat Oskar Maria Graf mit dem Buch „Das Leben meiner Mutter“ ein Denkmal gesetzt.
Therese „Resl“ Graf sieht gar nicht ein, in ihrem 11. Kindbett zu sterben. Schließlich gibt es 8 Kinder zu versorgen, eine Bäckerei und einen großen Hof. Also steht sie heimlich wieder auf, sobald der Arzt aus dem Haus ist. Um zu schaffen, von früh bis spät. Denn wozu ist man sonst auf der Welt, als zum Ackern und zum Beten? Sie lebt dafür, dass alles so bleibt wie immer. Für den lieben Frieden im Haus. Und vor allem für ihre Kinder. Die wachsen Ende des 19. Jahrhunderts im Dorf Berg am Starnberger See auf, wo die Welt klein ist aber turbulent. Hier hinein setzt das Weltgeschehen mal kleine, mal große Schritte. Die Politik tönt von ferne und ruft die ambitionierten Kinder zu einem Leben in der Fremde. Die Mutter hingegen harrt aus. Bleibt immer im Hintergrund. Und betet zu Gott, dass die Kinder nur wohl geraten.


Weihnachten mit Oskar
Witzig, anrührend aber auch sperrig sind die Geschichten, die Oskar Maria Graf zur Weihnachtszeit erzählt: vom Schlittschuh- und vom Schlittenfahren, vom harten Alltag der Bäcker vor Weihnachten, vom Ritual des »Neujahrsbriefes«, von schwäbischen Weihnachtsessen in Amerika und von altbayerischen Christmetten am Starnberger See. Und eine Geschichte fehlt nie in der von Monika Manz zusammengestellten Textauswahl: Die Weihnachtsgans, die den Kirchgängern gerupft und bratfertig aus heiterem Himmel vor die Füße fällt ... .
Besetzung
Monika Manz » Sprache
Susanne Weinhöppel » Harfe, Gesang
siehe auch
» Erotisches vom Oskar
» Monika Manz