Ganghofer, die bayerische Sphinx - Gerd Anthoff liest Ludwig Ganghofer
Ganghofer war wohl der bayerische Erfolgsschriftsteller des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Weltweit sollen bis heute rund 30 Millionen Exemplare seiner Bücher verkauft worden sein.
Eine „bayerische Sphinx“ nennt ihn Gerd Anthoff, weil Ganghofers Leben und Werk ganz viele Facetten hat. Einerseits ein erfolgreicher Schriftsteller, der die Betrachtung der Natur als literarischen Gegenstand entdeckte, ein Förderer des künstlerischen Nachwuchses, ein begehrter Gesellschafter in Künstlerkreisen. Andererseits ein Mann mit scheinbar mangelndem politischen Instinkt, Kriegsberichterstatter, der Schöpfer des Bayernklischees, ein Meister der Lebensinszenierung zwischen ländlicher Bodenständigkeit und städtischem Salonvergnügen.

Bis heute ist Ludwig Ganghofer vor allem durch seine Romane („Der Jäger von Fall“, „Schloss Hubertus“, „Waldrausch“) bekannt, die vielfach in der bayerischen Alpenwelt angesiedelt sind und in effektvoller Weise die Schicksale und Erlebnisse meist einfacher Menschen beschreiben. Diese Werke sind zum Teil mehrmals verfilmt worden und haben ihm den Ruf des „Heile-Welt“-Schreibers und Kitsch-Autors eingebracht. Schon zu Lebzeiten wurde er deswegen zur Zielscheibe satirischer Attacken, unter anderem von Karl Kraus in seinem Werk „Die letzten Tage der Menschheit“.

Gerd Anthoff versucht in seiner Lesung die gespaltene Persönlichkeit oder das Rätsel Ganghofer zu ergründen. Er liest „Lebenslauf eines Optimisten“, „Herzmansky, der Getreue“ und aus Karl Kraus „Die letzten Tage der Menschheit“ sowie aus den Kriegsberichten Ganghofers.

Nachdem Ludwig Ganghofer selbst begeisterter Zitherspieler war - ob ein guter, wissen wir nicht - lassen wir Zithermusik, die Text aufgreifen, forterzählen oder konterkarieren.
siehe auch
» Gerd Anthoff
» Heilige Nacht - Gerd Anthoff liest Ludwig Thoma
» Hirngespinste - Gerd Anthoff liest J. Bernlef

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